Preußische Provinz Posen bis 1922
und Preußische Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen 1922-1939

1. Oberpräsidenten
2. Bevölkerung
3. Wahlen
4. Verwaltungsstruktur
5. Landesbeschreibung 1894
6. Lagebericht der Sopade 1940
7. Adressen für Familien- und Heimatforschung
Quellen und Literatur


1. Oberpräsidenten der Provinz Posen
1815 - 1824 Joseph Zerboni di Sposetti (Online-Kurzbiographie)
1825 - 1830 Johann F. T. (seit 1828 von) Baumann (Online-Kurzbiographie)
1830 - 1840 Eduard Heinrich (seit 1861 von) Flottwell (Online-Kurzbiographie)
1840 - 1842 Adolf H. Graf von Arnim-Boitzenburg (Online-Kurzbiographie)
1843 - 1850 Carl Moritz von Beurmann (Online-Kurzbiographie)
1850 - 1851 Gustav Carl von Bonin (Online-Kurzbiographie)
1851 - 1860 Eugen von Puttkamer (Online-Kurzbiographie)
1860 - 1862 Gustav Carl von Bonin (Online-Kurzbiographie)
1862 - 1869 Carl Wilhelm H. G. (seit 1865 von) Horn (Online-Kurzbiographie)
1869 - 1873 Otto Graf von Königsmarck (Online-Kurzbiographie)
1873 - 1886 William Barstow von Guenther (Online-Kurzbiographie)
1886 - 1890 Robert Graf von Zedlitz-Trützschler (Online-Kurzbiographie)
1890 - 1899 Hugo Freiherr von Wilamowitz-Moellendorff (Online-Kurzbiographie)
1899 - 1903 Karl Julius Rudolf von Bitter (Online-Kurzbiographie)
1903 - 1911 Wilhelm H. A. von Waldow-Reitzenstein (Online-Kurzbiographie)
1911 - 1914 Philipp Schwartzkopf (Literaturhinweis)
1914 - 1918 Johann (Hans) von Eisenhart-Rothe (Online-Kurzbiographie)

Oberpräsidenten der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen
(Provinz seit 1922)
1922 - 1933 Friedrich von Bülow, geb. 1868
1932 Hans von Meibom, geb. ? (komm. nach "Preußenschlag"?)
1933 - 1936 Kube, Wilhelm (Online-Kurzbiographie)
1936 - 1939 Stürtz, Emil (Online-Kurzbiographie)
1940 - 1945 Forster, Albert (Westpreußen) (Online-Kurzbiographie)


2. Bevölkerung

Einwohnerzahl Provinz Posen
1.583.843 (1871), davon 511.292 Evangelische, 1.009.491 Katholiken, 1.065 sonstige Christen, 61.982 Juden
1.606.084 (1875)
1.703.397 (1880)
1.751.642 (1890), davon 542.013 Evangelische, 1.164.067 Katholiken, 1.149 sonstige Christen, 44.346 Juden
1.887.275 (1900), davon 569.564 Evangelische, 1.280.172 Katholiken, 2.135 sonstige Christen, 35.327 Juden
2.099.831 (1910)

Einwohnerzahl Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen
332.485 (1925), davon 207.537 Evangelische, 120.227 Katholiken, 446 sonstige Christen, 3.437 Juden
337.578 (1933), davon 210.034 Evangelische, 123.586 Katholiken, 103 sonstige Christen, 2.775 Juden

Muttersprache der Bevölkerung im Jahr 1900:
Deutsch: 718.421 (38,1 %)
Polnisch: 1.156.866 (61,3 %)
Zweisprachig Deutsch und Polnisch: 10.556 (0,6 %)

Konfessionsstruktur Provinz Posen 1910
Evangelisch: 30,79 %
Katholisch: 67,73 %
Andere Christen: 0,20 %
Juden: 1,26 %
Ohne Angabe: 0,02 %


3. Wahlen

Die Reichstagswahlen von
in der Provinz Posen
19071912
Deutschkonservativ22,6 %19,8 %
Reichspartei11,7 %8,5 %
Nationalliberal3,6 %4,9 %
Deutsche Reformpartei-0,2 %
Freisinnige Vereinigung0,6 %-
Fortschrittliche Volkspartei-5,7 %
Zentrum2,0 %0,9 %
Polenpartei57,5 %55,8 %
SPD1,9 %3,8 %
Andere Parteien-0,3 %
Zersplittert0,1 %0,1 %


4. Verwaltungsstruktur Provinz Posen (vor 1919)

Regierungsbezirk Posen
Adelnau
Birnbaum
Bomst
Fraustadt
Gostyn
Grätz
Jarotschin
Kempen i. Posen
Koschmin
Kosten
Krotoschin
Lissa
Meseritz
Neutomischel
Obornik
Ostrowo
Pleschen
Posen (Stadtkreis)
Posen Ost (Landkreis)
Posen West (Landkreis)
Rawitsch
Samter
Schildberg
Schmiegel
Schrimm
Schroda
Schwerin a. d. Warthe
Wreschen

Regierungsbezirk Bromberg
Bromberg (Stadtkreis)
Bromberg (Landkreis)
Czarnikau
Filehne
Gnesen
Hohensalza (früher Inowrazlaw)
Kolmar i. Posen
Mogilno
Schubin
Strelno
Wirsitz
Witkowo
Wongrowitz
Znin

Verwaltungsstruktur Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen
Bomst
Deutsch Krone
Flatow
Fraustadt
Meseritz
Netzekreis
Schlochau
Schneidemühl
Schwerin (Warthe)



5. Landesbeschreibung 1894
"Posen, preuß. Provinz, 28,961 qkm (525,99 QM.) groß, liegt ganz im Norddeutschen Tiefland und hat unter allen Provinzen des Staats die gleichmäßigste Höhe: ein Hügelland, in das im Norden die breite, tiefe Senkung der Brahe und Netze (das ehem. Weichselthal), in der Mitte das Warthethal, im S. das Obrabruch eingeschnitten sind. Im N. von der Netze ist der Eichberg bei Netzthal (194 m), hart am Netzethal, der höchste Punkt; wenig höher sind einige Hügel im südöstlichen Teil der Provinz. Die Hauptflüsse sind Warthe und Netze, nächstdem die Weichsel und Brahe; sonst sind noch die Prosna, Welna und Obra, die zur Warthe, und die Küddow und Drage, die Netze fließen, zu erwähnen. Weichsel, Prosna und Drage strömen nur auf der Grenze, Brahe und Netze werden durch den Bromberger Kanal verbunden. Die Seen sind ziemlich zahlreich, aber nicht sehr groß, am größten im Gebiet der obern Netze (Goplosee) und von dort zur Warthe, nicht fern von der Grenze. Die jährliche Durchschnittswärme beträgt 6-6,5º R. Von der Gesamtfläche entfallen 61,5 Proz. auf Acker und Gärten, 8,1 auf Wiesen, 4,8 auf Weiden, 20,2 Proz. auf Holzungen (Reinertrag: ha 8, A 10,5 Mk.). Nach der Viehzählung von 1892 waren vorhanden: 230,749 Pferde, 750,447 Stück Rindvieh, 998,463 Schafe, 547,521 Schweine, 103,265 Ziegen. Bergbau und Salinenwesen lieferten 1892: 28.579 Tonnen Braunkohlen u. 40,748 T. Salzprodukte. Die Volkszählung von 1890 ergab 1,751,642 (1816: 820,176) Ew., davon 542,013 Evang., 1,164,067 Kath. und 44,346 Juden (1,052,410 Polen; 60 Ew. auf 1 qkm). Die Gewerbezählung von 1882 ergab für P. 74,306 Hauptbetriebe mit 131,058 in denselben beschäftigten Personen, darunter 4319 Personen bei der Metallverarbeitung, 8508 in der Industrie der Holz- u. Schnitzstoffe, 21,658 bei der Bereitung von Nahrungs- und Genußmitteln, 31,277 bei der Bekleidung und Reinigung, 13,122 in den Baugewerben, 19,274 in den Handelsgewerben und 7786 bei der Beherbergung und Erquickung. Unter den Bildungsanstalten sind 15 Gymnasien, 2 Progymnasien, 3 Realgymnasien, 5 Schullehrerseminare, 1 Lehrerinnenseminar, 1 Landwirtschaftsschule, 1 Pädagogium etc. Die Provinz (Hauptstadt Posen) zerfällt in die 2 Regierungsbezirke Posen mit 28 und Bromberg mit 14 Kreisen. Auf dem Gebiet der Rechtspflege bildet P. (mit dem westpreußischen Kreis Deutsch-Krone) den Bezirk des Oberlandesgerichts in Posen, in militärischer Hinsicht Teile der Bezirke des 5. (Posen) und 2. Armeekorps (Bromberg)."
(Quelle: Neumanns Orts-Lexikon des Deutschen Reichs. Ein geographisch-statistisches Nachschlagebuch für deutsche Landeskunde. Dritte, neu bearbeitete und vermehrte Auflage von Wilhelm Keil. Leipzig, 1894.)


6. Lagebericht der Sopade 1940

Deutschland-Berichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade). Siebter Jahrgang 1940, S. 40 f. (Auszug aus dem Bericht für Januar 1940):

"Tatsächlich sind Pommerellen und Posen heute zum großen Teil schon von der Bevölkerung geräumt. Die Polen- und zwar ausnahmslos die gebildeten Bürgerschichten, teilweise aber auch die Arbeiter - sind aus diesen beiden Provinzen ins Innere des Landes geschafft worden. Sie erhielten Befehl, binnen 24, 12 ja 3 Stunden ihre Stadt zu verlassen und durften nichts als die notwendigsten Kleider oder Schlafdecken mitnehmen. Sie wurden dann in Güterwagen in irgendein Provinznest befördert, wo sie gar nicht die Möglichkeit haben, sich zu ernähren und meist den dort wohnenden Polen zur Last fallen. Das geht alles, solange es noch Leute gibt, die Bargeld besitzen, was ihnen in den wenigsten Fällen fortgenommen wird. Was später wird, ist unerfindlich, da auch nicht alle mit irgendwelchen Arbeiten beschäftigt werden können. Jedenfalls ist das alles noch völlig ungeregelt.

Am schlimmsten geht es also Polen sowohl als auch Juden in den Gebieten, die offiziell zum Reich geschlagen werden, das ist ganz Posen, Pommerellen, Oberschlesien und bald auch der gesamte Bezirk von Lodz. Hier wird jeder, der dazu noch Gelegenheit hat, zum sogenannten Deutschen gemacht, jeder Pole, der dazu keine Gelegenheit findet oder sie verschmäht, wird vertrieben. Die Kaschuben erhalten beispielsweise in vielen Fällen Gelegenheit, 'Deutsche' zu werden, indem ihre Kinder in deutsche Schulen geschickt werden und sie selbst deutsch radebrechen. Jedoch trifft das fast nur auf Arbeiter zu. Die Bauern und Hausbesitzer, denen man etwas wegnehmen kann, werden genau so vertrieben wie alle übrigen Polen. Auch in Oberschlesien haben die Arbeiter oft Gelegenheit, dort zu bleiben, weil man sie braucht, sie werden dann einfach zu 'Deutschen' ernannt.

In diesen westlichen Teilen des polnischen Staatsgebietes haben die Erschießungen oder offiziellen Hinrichtungen denn auch bis heute keine Unterbrechungen erfahren. Erschießungen erfolgten in der Weise wie etwa heute noch in Warschau, heute sind Enthauptungen auf Grund von Urteilen der sogenannten Stand- und Sondergerichte an der Tagesordnung. Augenscheinlich harmlose Menschen, die bei der Besetzung gefangen genommen wurden, werden jetzt unter irgendwelchem Verdacht hingerichtet. Das Delikt ist meist sogenannte Anstiftung zum Mord an Volksdeutschen. Zur Verurteilung genügen meist Angaben von Leuten, die gehört haben oder haben wollen, wie der betreffende Pole auf Deutsche geschimpft hat. Dieses System blüht besonders in Posen und Bromberg, Graudenz und Thorn."

S. a. den Bericht Feb. 1940 betr. geplante Ansiedlung von Baltendeutschen in Polen


7. Adressen für Familien- und Heimatforschung:

Deutsches Rotes Kreuz
Familienzusammenführung
Amandastr. 74
20357 Hamburg
Tel. 040/4392371

Deutsches Rotes Kreuz
Suchdienst
Infanteriestr. 7a
80797 München
Tel. 089/188031

Internationaler Suchdienst
Große Allee 5-9
34454 Arolsen
Tel. 05691/6037

Heimatortskartei für das Wartheland und Polen
Rosenbergstr. 50
70176 Stuttgart
Tel. 0711/6368004

Heimatortskartei für Danzig-Westpreußen
Rosenbergstr. 50
70176 Stuttgart
Tel. 0711/6368004

Archiv der Gemeinschaft evangelischer Posener (Hilfskomitee) e. V.
Bernhard-Riemann-Str. 30
21335 Lüneburg
Tel. 04131/42683

Archiv der Deutschen aus Mittelpolen und Wolhynien
Platz der Republik 1
41065 Mönchengladbach
Tel. 02162/58844

Dokumentationsstelle zur Geschichte des Deutschtums in Polen
Am Tower 3
85764 Oberschleißheim/Flugplatz
(Ferdinand-Schulz-Allee)

Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher
- Forschungsstelle Posen -
Hilde Möller
Oppenheimer Str. 50
60596 Frankfurt/Main
Tel. 069/613212



Quellen und Literatur

Schwabe, Klaus (Hrsg.): Die preußischen Oberpräsidenten 1815 - 1945 (Büdinger Forschungen zur Sozialgeschichte; Bd. 15). Boppard am Rhein, 1985.

Statistik des Deutschen Reichs. Alte Folge, Band 57: Die Volkszählung im Deutschen Reich am 1. Dezember 1880. Berlin, 1883.
Statistik des Deutschen Reichs. Neu Folge, Band 68: Die Volkszählung am 1. Dezember 1890 im Deutschen Reich. Berlin, 1894.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 150: Die Volkszählung am 1. Dezember 1900 im Deutschen Reich. Berlin, 1903.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 240: Die Volkszählung im Deutschen Reiche am 1. 12. 1910. Berlin, 1915.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 250: Die Reichstagswahlen von 1912. Berlin, 1913.
Statistik des Deutschen Reichs. Band 451: Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 16. Juni 1933. Heft 3: Die Bevölkerung des Deutschen Reichs nach der Religionszugehörigkeit. Berlin, 1936.


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